Klagenfurt – Lago die Cavazzo

Klagenfurt, Lago die Cavazzo

Die dunklen Wolken des Nachmittags lassen in der Nacht der Drohung auch Taten folgen – und zwar reichlich. Irgendwann in der zweiten Nachthälfte beginnt es ohne Sinn und Verstand zu regnen und es macht auch am Morgen keinerlei Anstalten damit aufzuhören. An Kaffee kochen ist bei diesem Wetter nicht zu denken, und das Café des Campingplatzes sperrt aus irgendwelchen nicht nachvollziehbaren Gründen erst um 12:00 auf. Also packen wir erst mal unser Zeug zusammen, und machen den Wagen wieder fahrbereit, bevor wir den Platz gegen 8:00 verlassen, um sogleich auf der anderen Straßenseite vor dem Strandcafé wieder zu parken. Dort gibt es erst mal Kaffee und Frühstück sowie Beratschlagung ob wir heute wirklich nur bis in die notrditalienischen Alpenausläufer fahren sollen wie geplant oder wir dem Wetter lieber doch etwas weiter nach Süden entkommen wollen. Die Tiefdruckzone erstreckt sich bis Oberitalien, aber unser Tagesziel liegt so weit südlich an den Alpenrändern, dass ich mir sicher bin, es wird dort bereits trocken sein. Es gibt schon Gründe, weshalb ich Programmierer bin und nicht Meteorologe.

Nach einem kurzen Zwischenstopp im Eurospar gestaltet sich die Abfahrt aus Klagenfurt eher langsam. Mit überschaubaren 70km/h geht es über die Autobahn – mehr ist bei dem ununterbrochen Wolkenbruch nicht möglich. Nach einem kurzen Stopp an der Raststation Dreiländereck, unter den (vor allem für Jakob) beeindruckenden Resten des Dobratsch, passieren wir endlich die Grenze nach Italien.

Kaum auf der anderen Seite der Grenze klart das Wetter auch pflichtschuldigst auf (also die Wolken bleiben, aber zumindest lässt der Regen nach), und so beschließen wir tatsächlich das  geplante Tagesziel an einem kleinen Stausee in der Nähe von Udine anzusteuern. Bis zur Abfahrt Talmezzo folgen wir der A23 durchs Tal der Fella, wobei nicht nur die 5,30€ Autobahngebühr, sondern auch die zahlreichen Tunnel , welchen den Blick auf das wilde Tal verdecken, ein gutes Argument für die Bundesstraße gewesen wären.

Ab der Abfahrt übernimmt dann TomTom die Navigation, wobei ich wiedermal in irgendeinem Submenü die Einstellung „benutze wenn möglich Straßen die selbst Einheimische nur vom Hörensagen kennen“ aktiviert haben dürfte. Teile der Strecke sind für Caravans nur bedingt zu empfehlen.

Der Camping Val de Lago ist dann auch den Rezensionen entsprechend klein, an einem wunderschönen, winzigen Stausee zwischen bewaldeten Hängen gelegen, und preislich mit 23€ durchaus im Rahmen. Ein wenig verwirrend ist der Umstand, dass etwa 0m weiter (also am Nachbargrundstück) ebenfalls ein Campingplatz ist. Aber das aktzeptieren wir mal einfach so, und hoffen einfach, dass die Platzbetreiber nicht nächtens über den Zaun steigen und die Zelte bei der Konkurrenz anzünden.

Da entgegen meiner überaus profunden Vorhersage der Regen inzwischen wieder eingesetzt hat, verbringen wir erstmal eine Zeit im Bus, bis es dann tatsächlich aufhört, und ein Spaziergang in den nächsten Ort lohnend erscheint. Den Ort erreichen wir zwar nicht (knappe 1,5km an einer engen Landstraße voller italienischer Autofahrer mit einem Dreijährigen erscheint uns dann doch etwas zu verwegen), aber dafür ist ein Spaziergang um den See durchaus lohnend. Zumindest wenn man nicht auf der Suche nach etwas essbaren oder menschlicher Nähe ist. Offenbar ist der ganze See zu einem großen naturnahen Erholungsgebiet ausgebaut worden, und kann mit vielerlei Freizeitaktivität für den gestressten Großstädter punkten. Als da zum Beispiel wären: Fahrgeschäfte für Kinder (geschlossen), riesige Parkflächen (leer), ein Bootsverleih (verlassen), ein Café (zugesperrt) und ein netter Naturlehrpfad durch den Schilfgürtel (funktioniert!). Sicherlich ist in der Hauptsaison hier der Teufel los...

tolles Wetter
tolles Wetter

Pünktlich bei unserer Rückkehr auf den Campingplatz bricht dann wieder ein Gewitter los, und diesmal bleiben die Wolken über uns hängen. Der weitere Nachmittag vergeht damit auch eher ungemütlich im engen und durch das feuchte Gewand auch langsam etwas klammen Bus, der wirklich nur ungenügende Beschäftigung für zwei Erwachsene, und ein Kleinkind welches nicht gedöst hat bietet.

Da bei diesem Wetter an kochen ohnehin nicht zu denken ist, und wir auch nicht vor dem Auto essen wollen (unsere gesamte Garderobe ist auf griechischen August ausgelegt, nicht auf norwegischen November), entscheiden wir uns, unser Urlaubsbudget noch einmal zu strapazieren, und im Campingplatzrestaurant zu essen. Ein halbguter Plan. Auf Bestellung kocht der Betreiber, und das wie ich finde auch ganz gut (Julia widerspricht in diesem Punkt allerdings vehement), aber die Preise dafür sind jetzt nicht so bodenständig. 10€ pro Portion Spaghetti, und 5 weitere für eine Dose Cola. Wahrscheinlich ist die auch selbst gemacht. Im Gegenzug wird das Café übrigens von zwei ziemlich nervösen unangeleinten Jack-Russel Terriern bewacht, die jeden Gast der sich dem Eingang auf weniger als 3m nähert nicht nur anknurren und verbellen,  sondern dabei für meinen Geschmack viel zu nahe herankommen. Aber wer keine Angst vor Hunden hat, oder festes Schuhwerk, und genug Geld, für den ist das Essen durchaus empfehlenswert. (Bier kostet übrigens nur soziale 2,80€, aber vermutlich macht er es nicht selbst).

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