Lago die Cavazzo – Fusina

Lago die Cavazzo, Venedig, Fusina

es klart langsam auf
es klart langsam auf

Der Morgen ist frisch und ausgesprochen windig, aber zur Abwechslung mal trocken. Also packen wir nach ausgiebigem Beobachten der ansässigen Segler und Windsurfer unsere sieben Sachen und begeben uns zurück auf die A23 Richtung Venedig. Ein Deutscher ohne Navi, aber dafür mit echter Karte hat mir nämlich gestern Abend dringend abgeraten die Bundesstraße zu nehmen, da die Gegend ab Udine zu zersiedelt ist.

Die Autobahn ist wie zu erwarten ereignislos und da wir an Caorle, Bibione und einigen weiteren mondänen Badeorten vorbeifahren aúch ziemlich überfüllt. Mit knapp 13€ ist sie auch nicht eben ein Schnäppchen, aber wir wollen ja weiterkommen um schnell unser Fährticket zu holen und so vielleicht noch einen Sprung nach Venedig zu schaffen. Nachdem ich schon befürchtet habe die Ausfahrt verpasst zu haben, ist Fusina dann doch noch auf den Straßenschildern vermerkt und die Zufahrt zum neuen Fährterminal leicht zu finden. Der Check-In für Anek ist dann ebenso leicht ausgemacht und die drei modernen Schalter in dem klimatisierten Neubau sind durchaus eines Flughafens würdig. Leider fahren wir aber nicht mit Anek sondern mit Minoan und der einzige erkennbare Hinweis auf Minoan ist ein Zettel hinter jedem Anek-Schalter auf dem steht, dass zu Minoan keine Auskünfte erteilt werden. Beharrliches Fragen entlockt den Mitarbeitern dann aber wenigstens einen Tip: das Minoan-Büro ist die kleine, extrem unauffällig  beschriftete Tür hinter einer uneinsichtigen Ecke, vor die man einen alten Getränkeautomaten gestellt hat. Öffnet aber sowieso erst um 19:00. Da wissen wir doch gleich, dass wir 1. Klasse reisen.

Also wird spontan umdisponiert: zuerst den Wagen parken, dann den Vaporetto N°16 nach Venedig suchen, später einchecken.

Der Parkplatz gleich beim Campingplatz Fusina ist leicht gefunden und nicht restlos überfüllt. Ob das jetzt seiner beeindruckenden Größe oder den eher noblen 10€ Parkgebühr für 12h geschuldet ist, bleibt allerdings ein Geheimnis. Auf alle Fälle ist direkt vor dem Parkplatz der Ticketschalter für die Vaporettos. Die Tickets – faktisch Busfahrscheine – schlagen sich mit unglaublichen 24€ für 2 Personen Tour/retour zu Buche. Dafür überreicht sie mir der junge Verkäufer mit schiefem Grinsen, einem Schulterzucken und den Worten „Sorry man. Welcome to Venice“. Das versöhnt mich jetzt irgendwie fast ein wenig.

die ersten Schritte Richtung Meer
die ersten Schritte Richtung Meer

Die Vaporettos fahren zu jeder vollen Stunde und wir schlagen noch etwas Zeit an der Landzunge tot, die höflicherweise eine kleine Getränkebude hat und 10m neben der Hauptwassertrasse aus der Lagune liegt. So fahren – sehr zu Jakobs entzücken – alle 10 Minuten riesige Frachtschiffe ein paar Meter vor uns vorbei.

Nachdem der Vaporetto uns dann bequem und schnell übergesetzt hat, können wir in der Lagunenstadt auch nur feststellen, was vermutlich Generationen von Touristen vor uns bereits festgestellt haben: Venedig ist unglaublich voll (und die gerade laufende Biennale macht es auch nicht besser), lächerlich teuer, und trotzdem sollte man es einfach einmal gesehen haben. Mit etwas Geduld findet sich abseits der schlimmsten Touristenhorden, in der Calle della Chiesa sogar eine vertretbar gute Take-Away-Pizza für lächerliche 2,50€ (um dieses Geld darf man in den meisten Lokalen hier bestenfalls die Speisekarte lesen).

Nach 3 Stunden wird Jakob aber langsam unrund und wir schieben uns entspannt zurück Richtung Anlegestelle, damit wir noch rechtzeitig zurück sind um vor dem Check-In etwas zu kochen. Als wir, um der brütenden Hitze des Kais von Zattere etwas zu entkommen, auf ein gemütliches Eis& Kaffee in den Schatten setzen, kommen wir aber nicht umhin zu bemerken, dass jetzt bereits – eine halbe Stunde vor Abfahrt – eine recht lange Schlange an der Station wartet. Nachdem wir uns dann 10 Minuten vor Abfahrt hinten anstellen, hat sie schon eine groteske Länge, und natürlich kommt es wie vermutet: nach gefühlten 15 Minuten stehen, ist der Vaporetto 3 Personen vor uns voll und legt ab. Aber zumindest kommt keine 5 Minuten später der nächste, um die restlichen Personen nach Fusina zu bringen. Also kann man den Bus hier offenbar nicht wegen Überfüllung verpassen (tatsächlich ist es so, dass mir ein Mitwartender erzählt, seine Familie wäre gestern mit einem Wassertaxi gebracht worden, als der Bus ebenso überfüllt war).

da zieht was auf...
da zieht was auf...

Auf der Fahrt Richtung Festland sehen wir dann die schwärzesten aller Gewittertürme über Fusina aufziehen, worauf wir entscheiden aufs Kochen sicherheitshalber zu verzichten und einfach nur schnell eine kalte Dose zu essen. Aber sogar das wird knapp.

Weltungergang
Weltungergang

Kaum hat Jakob sein Porridge beeendet, wird es dunkel und ein Sturm wie ich bislang selten einen erlebt habe, setzt ein. Als ich beginne zu zweifeln ob es eine gute Idee war unter den Bäumen zu parken, gesellen sich noch Hagel und Starkregen dazu. Jetzt bin ich über die Bäume plötzlich wieder ganz froh. Zumindest schützen sie uns vor ein paar bösen Dellen im Dach. Nach einer halben Stunde ist der Weltuntergang wenigstens einem ganz gewöhnlichen Wolkenbruch gewichen und wir können durch 20cm tiefe Pfützen zum Terminal fahren um endlich unser Ticket zu holen.

Schon aufregenderes erlebt. Man wartet bis das Büro öffnet, dann wartet man noch länger bis man drankommt, dann bekommt man sein Ticket und kann auf den vorderen Parkplatz zum Boarding einfahren. Und jetzt wartet man richtig. Leider hat die einzige Fähre die für unsere Urlaubszeit vernüftig fährt die unheilige Abfahrtszeit von 1:30. Noch leiderer hat uns vor 2 Wochen eine SMS erreicht, dass die ohnehin schon blöd getimte Abfahrt auf 4:50 verschoben wurde! Also versuchen wir erst mal wenigstens bis 2:00 zu schlafen – da soll nämlich das Boarding beginnen. Aber Schlaf ist hier so eine Sache...

Jakob findet das sowieso alles viel zu aufregend, und ist um 22:00 zwar alles andere als putzmunter, aber auch nicht bereit auch nur ein Auge zuzumachen. Als wäre das nicht schon anstrengend genug, haben wir zwar die Pole-Position fürs Verladen bekommen, aber die befindet sich nun nicht nur direkt in der Einflugschneise der Flughafens, sondern auch 15 Meter neben einer amoklaufenden Hochwasser-Warnsirene, die den Hagel nicht so gut verkraftet hat und unsäglich laut pfeift. Wie mir der etwas verzweifelte Security vor Ort versichert, hat er schon probiert das Ding zum Schweigen zu bringen, war aber erfolglos. Der Mitarbeiter mit den entsprechenden Fähigkeiten kommt aber ganz sicher morgen Vormittag. Super. Meinen vorsichtig eingebrachten Lösungsvorschlag seine Waffe sinnvoll zu verwenden und dem verdammten Ding den Gnadenschuss zu geben, lehnt er leider ab.

Irgendwann schlafen wir dann doch noch alle mehr oder weniger ein, bis der Wecker um 1:45 läutet, und wir leidlich zerschlagen das Boarding beginnen. Nachdem das Auto abgestellt ist, torkeln wir schlaftrunken durch das beinahe leere Schiff um uns schlussendlich auf ein paar Pullmannsitze zu werfen und noch ein wenig Schlaf zu bekommen.

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