Patras – Kato Alissos

Kato Alissos

Da die Fähre etwa um 6:30 in Igoumenitsa einlaufen soll, beginnen die Lautsprecherdurchsagen welche auf dieses Detail hinweisen sicherheitshalber schon um 5:00. Im 5 Minuten-Takt. Ab 5:30 gesellen sich dann diverse mehr oder weniger personalisierte Handy-Alarme dazu, und ab spätestens 6:00 ist auch der letzte im Raum wach. Ganz gleich wo er hinwollte. Nachdem die Fähre knapp 9500 verkaterte Maturanten auf den Kai von Iguomenitsa erbrochen hat, ist die restliche Fahrt aber zumindest bedeutend ruhiger.

Irgendwann gegen 13:00 laufen wir dann endlich in Patras ein, und begeben uns erwartungsvoll zu unserem Auto. Auf Deck 2. Das befindet sich gefühlsmäßig etwa 15 Meter unter den Ballastwassertanks, und temperaturtechnisch noch viel tiefer.

Es ist heiß wie in der Hölle und unglaublich stickig – leicht 50° und das ist ein recht freundliche Schätzung – stinkt nach Diesel und altem Öl. Kein Tageslicht (woher auch 10 Meter unter der Wasserlinie), und die Ausfahrtrampe ist mit riesigen Stahldeckeln verschlossen. Dazu hämmern die Motoren, und es zischen ab und zu irgendwo Druckluftleitungen in den Ecken. Eine minder Kindgerechte Umgebung, aber im Gegensatz zu dem Affront mit der Zitrone behält Jakob in dieser Situation die Nerven. Vielleicht nicht das Lächeln, aber die Nerven...

im Schiffsbauch
im Schiffsbauch

Nach gefühlten 2 Stunden (in Wirklichkeit sind es kaum 15 Minuten) lösen ein paar Mitarbeiter das unentwirrbar erscheinende Knäuel von ineinander verkeilten Fahrzeugen auf relativ zügig auf (wer glaubt auf einer Fähre wird in Reih und Glied geparkt: das gilt nur für die ersten paar Autos. Der Rest sieht dann aus wie eine ungeregelte Kreuzung zur Rush-Hour in Mexiko-City), und ganz plötzlich befinden wir uns unter griechischer Sonne. Geschafft!

Vor lauter Glück verpassen wir gleich die Abfahrt nach Patras, und schaffen es noch knapp vor der Autobahnauffahrt Richtung Athen rechts ins Industriegebiet auszuweichen. 5 Minuten später haben wir uns schon recht passabel verfahren, und halten am nächsten Café für ein Frappé (Jakob ein Eis – er hat es sich wirklich verdient). Jetzt sind wir in Griechenland.

Dank Google Maps ist die richtige Straße rasch gefunden (ein dreifaches Hoch auf die gefallenen Roaming-Kosten!), und eine halbe Stunde später sind wir frisch gestärkt auf etwas, dass durchaus die richtige Straße sein könnte.  Wäre sie sogar, aber nicht für lange, da wir kurzerhand einer unangenehmen griechischen Eigenheit von Straßengabelungen zum Opfer fallen: oftmals teilen sich Straßen, und beide Fahrbahnen sehen für den uneingeweihten Touristen etwa gleichberechtigt aus. Eine der beiden Routen verliert in ihrem Verlauf aber Stück für Stück jede Eigenschaft die sie als Straße kennzeichnet. Langsam, teuflisch und unauffällig. Zuerst verschwindet die Bodenmarkierung, dann das Bankett, dann Teile des Belags, dann der restliche Belag und zum Schluss die Straße. Dann war es die falsche Abzweigung. Als wir 5km nach der letzten Abzweigung auf einem Schotterweg stehen der im Meer endet, erkennen wir unseren Fehler.

Also retour. Ein paar falschen und teilweise sehr abenteuerlichen Sackgassen folgend finden wir wieder zu einer Straße (nicht die die wir wollten, aber zumindest eine mit Belag), und sind um eine Erfahrung reicher. Aber deshalb nicht schlauer.

2km weiter folgen wir einem ziemlich verkommenen Schild zum „Camping Kato Alissos“ nach rechts in die Pampa. Leider verschwindet die Beschilderung nach 2 Kreuzungen, und zwei mal Richtung raten später stehen wir vollkommen planlos in einem winzigen Kaff am Meer, wo man uns ansieht, als wären wir die ersten Ausländer seit der römischen Besatzung. Diesmal fragen wir sicherheitshalber und bekommen in gebrochenem Englisch den Hinweis, dass wir gute 5km zu weit gefahren sind.

Für den Weg zurück zur Hauptstrasse verbrauchen wir dann Karte, Google und TomTom, aber zum Ziel führt letzten Endes vor allem gesunder Menschenverstand. Die elektronischen Helferlein sind zwar praktisch, aber was im Navi als befahrbare Straße gilt, ist in der Realität griechischer Dörfer oftmals nur mit einem geländegängigen Esel erkundbar.

Zu guter Letzt finden wir aber schließlich doch unseren Campingplatz, und bauen uns zum ersten mal in diesem Urlaub richtig auf. Der Platz ist klein, süß, ein wenig abgefuckt und sehr familiär. Ein winziges Kiosk, gratis Strom und warmes Wasser, sowie öffentliche Kühlschränke und Eistruhen. Auf der gegenüberliegenden Seite des Weges (Straße sollte man dazu wirklich nicht sagen), ist eine Taverne mit Meerblick und Tischen unter einem riesigen Olivenbaum, in dessen Rinde irgendwo vermutlich noch „Paris liebt Helena“ eingeritzt ist, direkt darunter der Strand.

Kinderfreuden
Kinderfreuden

Also Badesachen raus, und ab ins Wasser. Der Strand ist lieb, aber eher nur für kleine Menschen geeignet. Streng genommen besteht er aus einer steilen buschig bewachsenen Böschung, an der eine dünne Linie Kiesel anschließt. Dann folgen 3 Meter getrockneter Seetang, 1m Kiesel und dann das Wasser. Garniert ist diese Perle des Mittelmeeres mit einer nicht unerheblichen Menge Müll und Treibgut. Also mehr was für Fans. Oder Leute wie uns, die seit Jahren nicht mehr am Meer waren, und deshalb keine allzu gewagten Ansprüche stellen. Jakob wird auf alle Fälle sofort zum Fan (es ist ja auch sein erster Strand). Er wirft eine Stunde mit zunehmender Begeisterung Steine und Bambusstäbe ins Wasser, immer sehr darauf bedacht nicht nass zu werden. Aber Julia und ich geniessen das Bad – immer sehr darauf bedacht keinen Stein an den Kopf zu bekommen. Jakobs Fähigkeit zu zielen ist leider bei weitem nicht so gut entwickelt wie sein Wurfarm.

welcome to Greece
welcome to Greece

Abends gehen wir natürlich unter den Olivenbaum essen. Es ist gut und relativ Preiswert, nur die Portionsgrößen sind für einen Erwachsenen noch durchaus ausbaufähig. Aber das Ambiente über dem Meer, unter den Zweigen des Urahnen aller Olivenbäume ist wundervoll.

Unser Campingnachbar  warnt uns noch vor Gelsen und lauten Hunden, und behält damit leider Recht. Die Gelsen sind jetzt nicht so dramatisch, aber das Abendkonzert der neurotischen Wachhunde aus der Gegend die sich bis spät Nachts gegenseitig verbellen ist ein wenig lästig.

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