Poo - Playa de Verdicio

Eigentlich wollten wir den Morgenkaffee aus Protest gleich unten im Ort trinken, aber schwach wie wir des Morgens nun einmal sind, schaffen wir es dann doch nur ins Cafe am Campingplatz. Dann endlich verlassen wir diesen unheiligen Platz und steuern gegen Llanes, dem nächsten größeren Ort, um dort für die bevorstehenden Marienfeiertage einzukaufen.

Llanes

Llanes ist, wie so häufig in diesem Land, sehr süß und sehr touristisch. Entlang der Straßen reihen sich Kitschläden, Gewandgeschäfte und Cafés, auf der Straße reihen sich Autos im Stau. Was hier auffällt ist, vor allem außerhalb der Altstadt, die hohe Anzahl riesiger teils leicht verfallener Bürgerhäuser, sowie die scheinbare Affinität zu Hexen, deren Abbild man hier in vielfacher Form alle Nase lang findet.  Dort sind es kleine Hexenpuppen im Souvenirshop, da ein Café welches die Hexe als sein Motto übernommen hat. Außerdem verfügt offenbar der gesamte Ort über ein WLAN-Netz, welches auch an allen Ecken freundlich beworben wird – netterweise hätten sie vielleicht noch den WEP-Key dazuschreiben können damit man dieses Netz auch nutzen kann.
Was ich mir hier in grenzenloser Selbstüberschätzung sofort zulege ist ein Neoprenanzug, weil wer ein peinliches Touristen-Bodyboard besitzt, sollte sich damit wenigstens gleich standesgemäß lächerlich machen. Der Einkauf von Nahrungsmitteln gestaltet sich dann etwas aufwendiger, da wegen des morgigen Feiertages natürlich noch alle schnell ihr Festtagsmenü zusammenstellen wollen.

Cuevas del Mar
Cuevas del Mar

Dann verlassen wir Llanes wieder Richtung Westen und den Cuevas del Mar, einem im WOMO Reiseführer über den grünen Klee gelobten Strand. Immerhin brauchen wir jetzt ein paradiesisches Plätzchen um die nächsten Tage zur Abwechslung einmal entspannt zu verbringen.
Der Strand ist wirklich herzallerliebst, sehr klein, eingesäumt von Felsen die für ein ruhiges Wasser sorgen, ausgestattet mit einer kleinen Bar. Umstände die auch vielen Spaniern bekannt sein dürften, weshalb vor allem am Sand der Platz schon etwas knapp wird. Außerdem ist das glatte Wasser, ohne die für die Gegend typischen großen Brecher wundervoll kinderfreundlich – ein Umstand der sich im Altersschnitt der Besucher lautstark bemerkbar macht. Also weiter – es liegen ja noch viele Strände vor Gijon. Wie uns das Leben lehren soll leider nicht genug!

  • Playa de Vega: es gibt einen Parkplatz auf dem man auch stehen kann, aber der ist gute 200m vom Meer entfernt, und weiter vorne zu stehen schlägt sich mit 2€ zu Buche (Camping natürlich verboten)
  • Playa de caravia: Da sich der Campingplatz direkt am Strand befindet wird Wildcampen hier wohl nicht so gerne gesehen.
  • Playa de Espasa: liegt wenig Idyllisch genau an der Straße, am großen Parkplatz ist Campingverbot, daneben gibt es noch einen kleinen Parkplatz an dem einige Caravans stehen. Der Platz ist uns aber vor allem wegen der nahen Straße ein wenig zu sozial.
  • Playa de Isla: ist vielleicht ganz nett, aber dummerweise mitten im Ort – kein allzu lauschiger Platz für eine Übernachtung.
  • Playa de Colunga: eigentlich ein netter Platz für eine Nacht, aber irgendwie nicht nach unserem heutigen Geschmack.

Playa de Rodiles: In diesen setzen wir jetzt all unsere verbleibenden Hoffnungen! Laut WOMO ein wunderschöner Strand, an dem man nach einer Sandpiste in einem kleinen Wäldchen am Ende des Strandes campieren kann. Also entweder der Reiseführer will uns bewusst in die Irre führen oder seit 2006 ist hier eine Menge passiert. Die kleine Sandstraße ist einer zweispurigen aus Beton gewichen, und an deren Ende befindet sich kein Wäldchen sondern bloß Wasser! Bis dorthin ist Campen sowieso verboten. Zwar gibt es am östlichen Strandabschnitt neben der Surfschule einen Parkplatz auf dem man stehen könnte, von unserer Vorstellung eines einsamen Ortes für ein paar Tage sind wir da aber weit entfernt. Wir schwanken ein wenig zwischen Ratlosigkeit und Frustration, sowie der Frage ob wir einfach hierbleiben sollen. Bis Gijon gibt es keine Strände mehr, und nachher folgt schon recht bald Aviles – also einige Kilometer zu fahren um wieder in halbwegs einsame Gebiete zu kommen. Keine sehr angenehme Aussicht um 17:30.
Allerdings liegt zwischen Gijon und Aviles eine Landzunge und nach einigem Überlegen entscheiden wir uns, unser Glück doch noch ein wenig zu strapazieren und es dort zu probieren. Gijon umfahren wir der Einfachheit halber auf der Autobahn und finden ohne größere Probleme nach Verdicchio, in dem es noch einen recht einsamen Strand geben soll.

Playa de Verdicio

Dieser liegt noch ein Stück hinter dem Ort, erscheint bei unserer Ankunft aber vorerst unerreichbar. Zwischen uns und dem Strand befindet sich etwas unerwartet eine moderne Siedlung, welche sich nach Vorbild einer „gated community“ recht rigoros von der Außenwelt abschirmt. Dummerweise tut sie das mittels eines verschlossenen Tores, quer über die Straße! Glücklicherweise kann man einem winzigen Weg folgend, entlang der Mauer, bis zum Strand vordringen. Und dieser bietet nun endlich was wir schon den ganzen Tag vergeblich zu finden gesucht haben. Ein eher kleiner, recht leerer Strand, eine winzige Bar und eine Unmenge Platz, auf den nur mit spärlichen Rasen bewachsenen Klippen. Zu schön um wahr zu sein!

Das einzig unerquickliche an diesem Abend bleibt das Wetter. An unserem Platz, recht ungeschützt oben auf den Klippen, pfeift der Wind ums Auto und bringt mit gewisser Regelmäßigkeit waagrechten Regen mit sich. Der perfekte Abend um im Bus zu sitzen. Wir eröffnen eine Flasche leicht säuerlichen französischen Rotwein und degoutieren dazu Serrano mit Baguette, sowie verschiedene Sorten Ziegen-, Schafs-, und Kuhkäse. Wenn es für nächstes Jahr gelingt noch einen offenen Kamin im Bus einzubauen, ist es eigentlich perfekt.

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