Santillana - Playa de Oyambre

Altamira (Versuch 2), Comillas, San Vincente, Playa de Oyambre

Der Morgen kann gelungen fortführen, was in der Nacht begonnen hat: Regen! Wenn das so weitergeht planen, wir den nächsten Urlaub in Irland – dort ist es sicher trockener.

Altamira (Versuch 2)

Direkt vor der Ortseinfahrt von Santillana befindet sich die Abzweigung zu den Höhlen von Altamira welche sich ca. 1,5km entfernt befinden. Ein kurzer Gegencheck Reiseführer, Karte, Realität lässt uns dann auch begründet hoffen, diesmal die richtigen Höhlen gefunden zu haben, aber prähistorische Höhlenmalereien stehen heuer unter keinem guten Stern. Montag Ruhetag!
Also wird umdisponiert, und wir machen uns auf den Weg nach Comillas, wo ein offenbar recht wohlhabender Mensch seiner Tochter ein kleines Schlösschen hat bauen lassen. Und weil ein kleines Schlösschen allein doch ein wenig proletarisch wirkt, hat er es ihr auch noch gleich von Gaudi bauen lassen.

Comillas

Der Ort selbst ist, wenn auch sehr überlaufen, doch reizvoll, aber das kleine Schloss neben Papas äußerst beeindruckendem Herrensitz ist einfach herzallerliebst. Würde sich im Inneren nicht bereits vollkommen unnötigerweise ein Luxusrestaurant befinden, würde ich sofort freiwillig einziehen.

Leider bin ich gedanklich schon wieder ganz woanders, da das Quietschen, welches schon kurz nach der Abfahrt von Wien links vorne zu hören war, wieder da ist (und an Lautstärke ganz erheblich zugenommen hat) und ich beim Aussteigen bemerke, dass die linke Freilaufnabe ziemlich heiß ist. Das reicht jetzt um mich ernstlich nervös zu machen. Es gibt durchaus Gegenden an einem Fahrzeug, die nach 30km Fahrt das gottgegebene Recht haben heiß zu werden, aber 1. gehört die Freilaufnabe nicht zu diesen  Gegenden und 2. müsste ich dann erwarten können, dass die rechte ebenfalls mitmacht – die ist aber normal temperiert. In mir keimt der restlos unbegründete Verdacht, dass sich die Sperre der Vorderachse auf der linken Seite irgendwie bösartig verkeilt hat… kein sehr ermutigender Gedanke.

Beim Krisenkaffee, den wir sofort zu uns nehmen, rufe ich unsere guten Geister in Wien an, unverzüglich die nächste Mitsubishi-Werkstätte zu quälen ob eine Weiterfahrt noch angezeigt ist oder ich das Auto lieber gleich im nächsten Wald verscharren soll. Die Antwort kommt prompt – sollte eigentlich kein Problem sein, nur soll ich nicht unbedingt größere Strecken in Angriff nehmen. Eine minder beruhigende Aussage wenn man in Kantabrien sitzt…

Comillas erscheint uns nicht als der Ort, welcher eine Werkstatt sein eigen nennt, die Spezialisierung liegt hier eher im Bereich Andenken und Strandartikel, weshalb wir uns mit ausgesprochen verminderter Geschwindigkeit nach San Vincente aufmachen. Inzwischen knackt zusätzlich irgendwas am linken Vorderrad bei jedem Anhalten merklich und jetzt bekomme ich es doch etwas mit der Angst zu tun. Eine gute Werkstätte für einen L300 4WD zu bekommen ist schon in Wien kein Kinderspiel, in Spanien wo Mitsubishi scheinbar kaum verbreitet ist, könnte es ein Problem sein.

San Vincente

Wir humpeln unsere geschundene Rosinante gleich nach der Ortseinfahrt von San Vincente auf einen Parkplatz und erkunden die Stadt zu Fuß nach einem Mechaniker. Tatsächlich haben wir nach 20 Minuten eine Werkstätte ausgemacht, deren Besitzer sich aber aufgrund einer recht frisch eingebundenen Gesichtsverletzung außerstande sieht, heute zu schrauben. Ein weiteres Problem ergibt sich unter Umständen aus der Tatsache, dass ich ihm wie das Wörterbuch später offenbart vermutlich gefragt habe, ob er ein Problem an meiner LKW-Flotte beheben könnte… 

Der Satz „Ich habe eine Schraube am Dichtungsdeckel meiner linken Freilaufnabe verloren, das Rad quietscht bei langsamer Fahrt und erhitzt sich stark und außerdem knackt etwas beim Bremsen“ ist übrigens ausgesprochen schwer zu formulieren, wenn die eigenen Spanischkenntnisse beim bestellen von 2 Kaffee und einem Bier enden. Netterweise verweist er uns aber an eine Citroën-Werkstatt 15 Meter weiter, wo uns vielleicht geholfen werden kann.

Wir schaffen den Wagen schnellstmöglich dorthin und ich zeige dem einzigen anwesenden Mechaniker unter allerlei Händeringen und viel Zeichensprache unser Problem. Nachdem er eher mein wüstes Gestikulieren (es ist ausgesprochen schwer „Freilaufnabe festgefressen“ mit den Händen darzustellen!)  als den Wagen eine Zeit stoisch betrachtet hat, kommt nur ein kurzes „Patrone… Cheffe“ und er dreht sich um, um weiterhin zu tun was auch immer er vorher getan hat.
Besagter Patron erscheint, die ganze Würde seines Alters tragend, etwa 10 Minuten später und zieht sich sofort, ohne uns eines Blickes zu würdigen, in sein Büro zurück. Nach weiteren 10 Minuten wird mir gedeutet, dass er jetzt bereit wäre mich zu empfangen. Etwas eingeschüchtert, aber mit dem Mut der Verzweiflung, betrete ich also das winzige Kabuff in dem er thront und versuche es mit einem zaghaften ¡Hola!. Mein Gruß wird zwar erwidert, aber mehr Reaktion ist offenbar nicht vorgesehen. Mit quälender Langsamkeit ist der Meister damit beschäftigt große Bündel 20er und 50er zu zählen und gibt mir durch einen knappen Wink zu verstehen, dass ich warten soll bis er fertig ist. Nach 1 Minute wird mir das aber irgendwie zu blöd und ich beginne mit meinem Veitstanz um das Problem erst einmal ganz allgemein zu umreißen, was mir bereits einen befremdeten Blick einhandelt. Als ich dann auch noch Vorschlage er möge doch mit hinaus kommen, da ich ihm dort das Problem zeigen könnte, habe ich es mir endgültig verscherzt! Per Fingerschnippen wird ein junger Adlatus herbeigeholt – dieser soll mit mir gehen und sich die Sachlage ansehen. Er berichtet danach dem Patron unter vier Augen über die Dinge die er gesehen hat und dieser wiederum schickt ihn mit einer Antwort zu uns zurück.
Es drängt sich mir die Idee auf, dass spanische Autowerkstätten und italienische Familienbetriebe einige Gemeinsamkeiten aufweisen könnten. Leider ist die Antwort des Patron nicht sehr positiv – hier können sie nichts für uns tun, aber es gibt etwas außerhalb eine Werkstätte an die wir uns wenden sollen.

des Meisters Werkstatt
des Meisters Werkstatt

Gleich nach der westlichen Ortsausfahrt ist an der N634 eine Agip-Tankstelle und unterhalb selbiger befindet sich eine Werkstatt, die sich unseres Problems annehmen kann. Zugegeben, ohne Wegbeschreibung hätten wir sie mit Sicherheit übersehen und der Mechaniker scheint sich nach den Fahrzeugen vor seiner Halle mehr mit Booten als mit Autos zu befassen, aber er ist überaus freundlich, und ein weiterer anwesender Freund, Kollege, Kunde… man weiß nicht so genau, spricht sogar fließend französisch. Leider beschränken sich auch unsere Französisch Kenntnisse großteils auf das Bestellwesen in der Gastronomie und so zeige ich wieder auf die fehlende Schraube und untermale, der Dramatik wegen, die Beschreibung diesmal mit einigen pointiert gesetzten Hust-, und Pfeifgeräuschen. Diesmal bemüht der Mechaniker den Wagenheber um sich das Problem selbst anzusehen und wir sehen uns nach langer Zeit endlich auf der Zielgeraden!

Nach ca. 2 Minuten hat er das Problem: nicht die Freilaufnabe ist defekt – sie ist bloß das Symptom; die linke Bremse schleift, und das offenbar in einem recht dramatischen Ausmaß. Aha! Also war die Angst auf der Autobahn plötzlich vom eigenen Reifen überholt zu werden absolut unbegründet. Im Falle einer akuten Verschlechterung des Problems bei hoher Geschwindigkeit hätten viel eher wir den Reifen überholt. Da bin ich aber jetzt beruhigt!

Angeblich will er, wie er uns versichert, in zwei bis drei Stunden mit der Reparatur fertig sein. Eine Angabe, die ich ernstlich in Zweifel ziehe, da es eine schleifende Bremse links vorne vor drei Jahren schon einmal gab und der Mechaniker seinerzeit unter Verschleiß mehrerer Werkzeuge sowie zweier Lehrlinge beinahe 6 Stunden am Stück gewerkt hat um das Problem zu beseitigen. Aber das werde ich ihm jetzt sicher nicht auf franko-spanisch auseinandersetzen.

In Ermangelung besserer Freizeitgestaltung packen wir ein wenig Essen zusammen und unternehmen eine kleine Wanderung zu den nahegelegen Klippen. Ein wirklich lohnenswerter Spaziergang. Manchmal, beschleicht uns das Gefühl, öfter mal aus dem Auto auszusteigen und ein paar Schritte zu laufen kann sich auszahlen.

Als die zwei Stunden um sind und wir zur Werkstatt zurückkehren, scheint sich abzuzeichnen, dass er den genannten Fertigstellungszeitpunkt wie erwartet kaum wird einhalten können. Vor allem da er noch nicht begonnen hat. Ein kleines Café auf der anderen Seite der Bundesstraße hilft uns über eine weitere Stunde hinweg und diesmal ist der Meister, als wir wiederkommen, schon voll in seinem Element. Dabei bemerke ich zum ersten Mal, dass er offenbar wirklich ein Meister aller Klassen ist. Neben unserer kaputten Bremse befinden sich in seiner Werkstatt noch 2 andere Autos, ein Pocket-Bike, ein Go-Kart und 3 Fischerboote. Und der Mann versteht sein Handwerk!

Eine weitere Stunde später steht der Wagen wieder auf allen vier Rädern und nichts quietscht oder knackst mehr. Sogar die gebrochene Schraube hat er irgendwie herausgeholt und mit einer zumindest ähnlichen ersetzt. Dafür berechnet er uns einen Preis für den sich ein Mechaniker bei uns vermutlich bestenfalls die Autopapiere angesehen hätte.

Einzig beim Nachfüllen der Bremsflüssigkeit verschafft er mir noch einen kurzen Aufreger. Nachdem wir uns beide nicht sicher sind wo die hineingehört, leert er das Gebräu kurzerhand in den einzigen Einfüllstutzen, den er finden kann und zwar ohne Trichter. Der Effekt ist eine ziemliche Lacke Bremsflüssigkeit im Bodenraum und auf dem Bremspedal selbst (und ich bin mir fast sicher, dass man die nicht im Pedal einmassieren muss, damit die Bremse funktioniert) und meine Unsicherheit, ob wir nicht in 10km ohne Bremsen dastehen und die Bremsflüssigkeit als Ausgleich wiedersehen, wenn ich das nächste Mal die Scheibenwaschanlage einschalte! Sei’s drum, der Wagen fährt wieder und darauf kommt es an.

Playa de Oyambre

Etwas östlich von San Vincente liegen die Playa de Oyambre und die Playa de Gerria, die wir als unser heutiges Nachtquartier auserkoren haben. Ein Stück die Hauptstraße aus San Vincente hinaus, direkt hinter der Brücke zeigt bereits ein Schild nach links auf eine Unzahl Playas, sowie zum örtlichen Campingplatz.
Wenn man diesem folgt und dann sofort wieder rechts abbiegt, gelangt man auf eine schmale eher schlecht geteerte Straße mit einigen Übernachtungsmöglichkeiten. Beginnend beim Cafe Meran (welches offenbar kein Problem damit hat, wenn man auf seinem Parkplatz campiert), folgt ein kleiner Parkplatz mit direktem Meerzugang und zu guter Letzt zweigt noch eine geschotterte Piste links in Richtung Strand und Klippen ab.

Diese letzte nehmen wir dann auch. Der Weg schlängelt sich ein paar Serpentinen bis zum Strand hinunter, wobei es sich in jeder Kehre schon ein paar Surfer bequem gemacht haben. Ganz unten, fast schon am Strand, befindet sich dann noch ein kleines leeres Plätzchen für uns auf einem winzigen, ebenen Plateau welches kaum größer als der Wagen ist. Allerdings empfiehlt es sich für die letzten 50m des Weges schon ein halbwegs hochbeiniges Fahrzeug zu haben.
Ansonsten ist es hier schön einsam und idyllisch, man sitzt drei Meter hinter dem Sandstrand etwas erhöht und die einzigen anderen Menschen sind eine Handvoll etwas freakiger französischer Surfer - und ein wirklich freakiger französischer Golfer!

Netterweise ist der Platz noch dazu gelsenfrei, die einzigen anderen Bewohner außer uns sind winzige weiße Schnecken, die allerdings in so einer Unzahl auftreten, dass ich sie anfangs für Blüten im Gras halte. Der Effekt ist, dass man abends an einigen Stellen das Gefühl hat über Ricecrispies zu laufen und strenggläubigen Buddhisten kann eine Übernachtung hier nur dann empfohlen werden, wenn sie es in Kauf nehmen, das nächste Mal als Schnecke geboren zu werden.

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