Carcasonne - Serres

Der erwähnte bösartige Nieselregen verschwindet in der Nacht um einem nicht minder bösartigen echten Regen den Platz zu überlassen, weshalb die Wäsche als wir sie in der Früh abnehmen eine Spur nasser als beim Aufhängen ist. Kein Problem – wir haben ja ein großes Auto und heiß ist es auch, also wird die Wäsche im Auto aufgelegt.

Von Carcassonne weg folgen wir dann der D118 bis Limoux – einer Stadt ohne nennenswerte Besonderheiten die uns jetzt ins Auge stechen würden – um dort Richtung Mirepoix abzubiegen.

 

Mirepoix

Einfach wundervoll!
Mirepoix hat eine uralte original erhaltene Altstadt mit 2 süßen Plätzen, gesäumt von mittelalterlichen Häusern bei denen der erst Stock jeweils um etwa 4m vorgezogen ist um einen schattigen Überhang zu bilden unter dem sich zahlreiche Cafes, Restaurants und Andenkenläden eingenistet haben. Trotzdem ist nicht ein einziger Tourist zu erblicken, was daran liegen mag, dass wir von Carcassonne kommend, überschaubare Gruppen von Touristen, die es hier sehr wohl gibt, nicht wahrnehmen können. Möglich sogar dass der vorherige Besuch von Carcassonne Mirepoix erst richtig schön werden lässt.

Im Ortskern befindet sich noch eine gotische Kathedrale (mit dem breitesten Kirchenschiff Frankreichs), die gerade wegen der fehlenden Seitenschiffe und der daraus resultierenden Wuchtigkeit des Gebäudes einen Besuch allemal lohnt.

Zurück in unserer fahrenden Sauna (inzwischen ist die Sonne herausgekommen und hat einen nicht unwesentlichen Einfluss auf das im Auto aufgelegte nasse Gewand genommen) fahren wir weiter der D625 nach Süden folgend wo von Lavelant die etwas wüstere D109 abzweigt welche in die Berge Richtung Montsegur führt. Die Strecke ist kurvig aber sehr gut ausgebaut und vermutlich kann man die Festung schon von weitem sehen – eine reine Vermutung, da bei unserer Ankunft dauernd Wolkenfetzen um die Berge ziehen und es auch immer wieder leicht regnet.

Montsegur

Unter Montsegur stellen wir uns dann auf einen Parkplatz (sehr schräg) und werfen uns in feste Schuhe und lange Hosen + Regenjacke. Der Aufstieg ist auch bei kühlem Wetter nicht ohne und der schlammige Boden macht das Unterfangen nicht eben leichter. Eintritt bezahlt man nach etwa ¼ des Weges an einem etwas unvermittelt in den Wald gepflanzten Hüttchen nebst Drehkreuz – 5€ p.P.! Der Fairness halber wird man auf diesen Obolus allerdings schon zu Beginn des Aufstieges hingewiesen.

Die Festung selbst ist beeindruckend – vor allem beeindruckend klein. Es bleibt mir unbegreiflich wie sich 205 Menschen dort aufhalten konnten…

Zu unserem Leidwesen findet sich dort kurz nach uns eine Gruppe Jugendlicher aus einem Ferienlager im unteren Hof ein und der Leiter der Gruppe gibt mit lauter Stimme ein paar humoreske Anekdötchen zum Besten. Weniger die Geschichten oder das laute Lachen seiner Schutzbefohlenen sind störend als eher die Tatsache dass man unten im Tal sicher über seine Zoten mitlachen könnte – hören müssten sie ihn dort!

Wirklich grandios ist der Ausblick – nach Süden auf die Berge, nach Norden schier endlos in die Ebene.

das Dorf Montsegur
das Dorf Montsegur

Unter Montsegur, 2 Kehren weiter auf der Straße, liegt noch der Ort Montsegur welcher erst spät im 18 Jhdt. Gegründet wurde. Es ist fast traurig zu sehen wie verzweifelt die Ortschaft mit Angeboten, Museen und Kultur versucht aus dem Schatten seiner berühmten Ruine zu kommen und auch ein paar Touristen anzulocken. Aber wie es scheint kommen alle nur um die Burg zu sehen und lassen das Dorf links liegen…

Nach dem Abstieg vom Berg lassen wir das Dorf links liegen und fahren die Straße weiter, da auf der derselben Route 9km weiter die Fontaine de Fontestorbes liegt.

Fontaine de Fontestorbes

Die Fontaine ist eine Quelle die in einer Grotte entspringt, welche aus einer darunterliegenden Höhle gespeist wird und im Halbstundentakt beinahe versiegt um dann neuerlich anzuschwellen. Es gibt ein paar (wenige) Parkplätze, ein für meinen Geschmack etwas modernes Touristenzentrum mit Klo und Bar sowie die Grotte selbst auf der anderen Straßenseite. Netterweise hören Beton und Holz des Touristenzentrums vor der Quelle auf, so dass man einen sehr netten unverbauten Blick hat.

In die Grotte führt ein kleiner Steinweg der irgendwann an einem alten verrosteten Geländer im Wasser endet. In der Ruhephase kein Problem – wenn das Wasser aber langsam anschwillt sollte man rauskommen sonst sitzt man ½ Std. fest oder holt sich nasse Füße beim rausgehen.

Kurz nach der Quelle erreichen wir wieder die D117 der wir nach Westen folgen. Vorbei an Puivert (beeindruckende Festung) und weiter nach Quillan.

Eigentlich wollten wir noch Rennes Les Chateau besuchen, aber da sich der Tag langsam neigt, meint Julia folgerichtig wir sollten Rennes für morgen früh aufheben und uns ein Nachtlager suchen.

In Couiza wo sich die Abzweigung nach Rennes Les Chateau befindet folgen wir der D615 ein paar km da wir noch ein wenig weiter fort kommen wollen. In der Nähe von Rennes Les Chateau haben wahrscheinlich schon zu viele Schatzsucher den Leuten die Freundlichkeit gegenüber Campern genommen.

Nachdem wir etwas glücklos in den Foret de Rialesse einfahren und dort keinen geeigneten Platz finden können, drehen wir um und stellen uns nahe Serres’ bei einer kleinen Brücke neben ein paar Weinstöcke, direkt an der Sals – ein ganz netter Platz wenn auch sehr nah an der Straße. Nachdem es das erste echte Wildcamping ist, und Vorsicht der bessere Teil des Mutes (© Douglas Adams) verstauen wir vor dem Schlafen noch alles im Auto um in der Früh dem zu erwartenden Landvolk mit Fackeln und Gewehren einen mutigen Blitzstart entgegenhalten zu können.

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