Cuneo - Beauduc

Cuneo - Tenda-Pass - La Brigue - Menton - Beauduc

Tenda Tal
am Fuß der Berge

Wie sich am morgen herausstellt, liegt Cuneo direkt am Fuß der Berge und bis zur Straße Richtung Tenda-Tunnel sind es noch ca. 2km. Eine erfreuliche Tatsache, die wir letzten Abend übersehen hatten – irgendwie waren wir überzeugt noch einen halben Tag bis zum Tendapass  unterwegs zu sein.

Nach einigen Kurven erreichen wir den Tunnel, wo sich der Weg seltsamerweise teilt – eine Spur für Busse & LKW mit Ampel und eine für PKW ohne Ampel. Etwas verwirrt reihen wir uns naheliegender Weise in die PKW-Spur ein… böser Fehler!

Tenda-Pass

Tenda Tunnel
Wer baut denn sowas?

Der Tunnel ist eine nackte, in den Berg geschlagene Röhre, mit zu wenigen Lampen und zu wenig Platz. Offenbar sind die Erbauer davon ausgegangen, dass ein Auto ohne Rückspiegel das bessere Fahrzeug ist und haben deshalb wider die Realität bestimmt, dass der Tunnel für PKWs zwei Spuren hätte. Definitiv falsch! Ich verliere auf etwa einem km 1 Liter Flüssigkeit und schwöre hiermit hoch und heilig, mich das nächste Mal bei den LKWs einzureihen. Die werden nämlich per besagtem Ampelsystem abwechselnd durchgeschleust. Etwas Wartezeit muss im Urlaub einfach drin sein um die Nerven zu schonen. Vor allem da einige aus Frankreich kommende Touristen beschlossen haben, dass wenn sie einen PKW fahren, sie auch mit Gegenverkehr durch den Tunnel passen – in kompletter Negierung der Tatsache dass sie hinten an Ihrem PKW ein halbes Einfamilienhaus auf Rädern nachziehen, welches die für uns zu Verfügung stehende Fahrbahn radikal einschränkt.

Auf der Gegenseite geht’s dann etwas entspannter durch das traumhafte Tal nach Süden, obwohl ich gestehen muss, dass die Route, wenn man Sie von Süden anfährt (was ich vor vielen Jahren mehrfach gemacht habe) wesentlich reizvoller ist. Von hier aus würde von Rechts wegen auch die ligurische Kammstraße  abzweigen, allerdings wäre das nicht unsere Richtung ich bin mir der Geländefähigkeiten des Autos (und meiner selbst) nicht sicher genug um einen Versuch zu wagen.

La Brigue

Also bleiben wir auf der betonierten Straße und biegen kurz nach Tende Richtung Osten ab und folgen dem Seitental etwa 1km bis La Brigue, wo es erstmals ein wenig Sightseeing durch die engen Gässchen und den ersten französischen Kaffee gibt.

Weiter unten im Haupttal Richtung Grenze ist die Straße in der Zwischenzeit allerdings weiter ausgebaut (vor allem der italienische Teil) und hat ziemlich an Charme verloren. Beeindruckend ist aber nach wie vor der plötzliche Klimawandel, wenn innerhalb weniger Kurven, die alpine Vegetation durch mediterrane abgelöst wird, plötzlich Grillen am Wegesrand zirpen und die Ruhe der Berge durch Ventimillia ersetzt wird.

Cote´d Azur

Laut Plan wollen wir eigentlich in Ventimillia einen Kaffee am Meer trinken und uns dann auf die Autobahn gen Westen werfen, aber irgendwie finden im Chaos der Stadt weder Julia noch ich die Zufahrt zum Hafen und landen unversehens auf der Bundesstraße Richtung Cote´d Azur… nicht sonderlich empfehlenswert.

Zwar schlängelt sich die Straße malerisch am Meer entlang, aber die Betonung liegt hier weniger auf malerisch denn auf schlängeln. Vielleicht gibt es einen schönen Ausblick, aber ich bin zu sehr mit Kurven und südlichem Gegenverkehr befasst um ihn entsprechend zu würdigen.

Nachdem es bis Menton kaum eine Möglichkeit zu halten gibt, fahren wir erst dort auf den (Gratis-)Parkplatz der Marina, wo ich meine Füße endlich einmal kurz ins Meer stecken kann.

Zwar ist es wunderbar nach langer Zeit wieder Meerwasser an den Füssen zu spüren, aber die erwartete Abkühlung stellt sich nicht ein. Entweder befindet sich neben dem Hafen eine Marine Thermalwasserquelle oder das Mittelmeer ist einfach wärmer als ich es in Erinnerung hatte.

Von Menton aus gibt es dann auch eine Auffahrt auf die Autobahn (so weit im Osten ist sie noch gratis) und wir beginnen die letzte größere Etappe Richtung Pyrenäen.

Bald, (also knapp vor Nizza) endet die gratis Autobahn, und da die Strecke Nizza – Cannes laut Anzeige 1,90€ kostet, entscheiden wir, die Ausgabe in Kauf zu nehmen, da uns auch das umliegende Land wenig einladend zur Entdeckung erscheint. Es wirkt trocken, heiß und stark zersiedelt.

Im Endeffekt bleiben wir dann doch noch recht lange auf der Autobahn. Der Spaß ist zwar nicht ganz billig, da die Mautstrecken aber recht kurz sind fällt der Preis vorerst nicht so auf – alles in allem kommen wir von Nizza bis Arles auf ca. 15€, die es allerdings schon wert sind.

Einzig die Hitze fordert ihren Tribut, und als wir wegen eines Unfalles, hinter einem LKW fast zwei Stunden in der prallen südfranzösischen Sonne im Stau stehen, geht das schon ziemlich an die Substanz.

Überhaupt ist die Autobahn ziemlich voll und hätten wir ein Fahrzeug das einer höheren Geschwindigkeit fähig wäre, wäre es wohl ziemlich frustig. Es bleibt nur weiterhin die Empfehlung: Autobahn in Südfrankreich bedeutet viel Wasser und ein gerüttelt Maß Geduld einpacken!

Endlich in Arles angekommen machen wir dann Kaffeepause und überlegen mal wie wir den Tag schlafplatztechnisch angehen wollen. PS: Parkplatzsuche an der Hauptstraße in Arles ist ein Unterfangen für die Nervenstarken!

Nachdem wir einen hiesigen Bankomaten um 320€ erleichtert und den Kaffee intus haben, entscheiden wir, trotz etwas fortgeschrittener Stunde, uns auf die Suche nach Beauduc zu begeben.

Beauduc

Bislang habe ich über den Ort nur Gerüchte bei früheren Frankreichreisen gehört und eine äußerst zweifelhafte Anfahrtsbeschreibung in einem Internetforum gefunden. Zur Geschichte von Beauduc vielleicht ein andermal, die Anfahrt ist schlimm genug!

Von Arles folgen wir der D36 bis Les Sable, und biegen irgendwann ganz beschreibungskonform nach rechts ab. Dieser Straße folgend soll angeblich irgendwann ein Schild kommen dem man dann einfach folgen soll. Eines mit dem Hinweis „Beauduc“ gibt es nicht, aber dafür eines mit der Aufschrift „Chez Juju“ und einem Pfeil nach rechts. Da ich aus einer weiteren dubiosen Internetquelle vernommen habe, dass ein gewisser Juju „Bürgermeister“ von Beauduc ist, folgen wir dem Pfeil weiter. Vermutlich sollte ich mal meine Quellen hinterfragen!

Nach etwa 5 min. Fahrt weist uns ein weiteres Schild rechts in einen Feldweg – was insofern nachdenklich stimmen sollte, da wir seit der letzten Kreuzung wieder nach Norden fahren und das Meer (und damit auch Beauduc) folglich zu unserer linken liegen müsste. Aber bitte wir müssen ja nicht alles hinterfragen – frohgemut ab in die Pampa.

Ein beschauliches Netz von Feldwegen und Schotterpisten durchzieht fröhlich die Wildnis aus Salzgras und übermannshohen Schilf – und um nicht allzu viel Langeweile aufkommen zu lassen wird das ganze noch einmal durch ein Geflecht von Kanälen durchschnitten, die einige der Kurven recht abenteuerlich gestalten. An dieser Stelle muss ich auf den Umstand hinweisen, dass ich jetzt bereits seit ca. 9:00, bei teilweise brütender Hitze, hinter dem Steuer eines Wagens sitze, der, allen Beteuerungen des Handwerkers zum trotz, noch immer einen Linksdrall hat und einem chronisch das Gefühl vermittelt, quer zu einer schiefen Ebene zu fahren. Was sich in dieser pittoresken Landschaft leider nicht finde ist ein weiteres Hinweisschild „Chez Juju“. Offenbar geht dieser Juju davon aus, das wer bis hierher gekommen ist, den Rest auch alleine schafft. Kein Problem: nach 4 Kurven stehen wir mitten im Hof eines landwirtschaftlichen Betriebes, an dem der Weg endet – das war wohl nichts!

Also wieder raus auf die Straße, wo wir, etwas kopflos diskutierend, ein bisschen rechts und links fahren um zu dem Schluss zu kommen, dass es doch bei dem Schild gewesen sein muss und wieder in die grünen Wiesen einfahren. Das liest sich jetzt nicht nur blöd, das ist es auch!

Ich entdecke mehrere uns noch unbekannte Kanäle, Schotter-, und Feldwege und halte das Auto schlussendlich etwas entnervt an, um den 4-Rad-Antrieb einzulegen. Zum Glück kommen just in dem Moment ein paar Radfahrer des Weges, die ich in meinem besten französisch nach „Chez Juju“ frage und leider Gottes eine Antwort in ihrem besten französisch erhalte – keine Ahnung was die mir da so ausschweifend erklären… Auf meine Frage nach Beauduc gibt es mir eine andere langwierige Erklärung inklusive einiger Ortsangaben, die ich zwar auch nicht verstehe, aber aus der Tatsache, dass sie für die zweite Antwort andere Vokabeln als für die erste gebraucht haben, schließen wir messerscharf dass Juju und Beauduc kein ursächliches Naheverhältnis haben und sowieso in verschiedenen Richtungen liegen. Es liegt mir ein leiser Fluch auf den Lippen als wir wieder zur Straße fahren und nach rechts abbiegen…

Beauduc
so nah und doch so fern...

Bei der nächsten Kreuzung wenden wir uns etwas willkürlich nach links (da sollte ja das Meer sein und Beauduc liegt immerhin am Meer) und landen nach kurzer Fahrt auf einer Schotterpiste… Diese führt vorbei an malerischen Salzbecken und Flamingos zu einem vermutlich reizenden Aussichtspunkt. Leider bin ich inzwischen leidlich verstimmt und genieße den Ort nicht in der ihm gebührenden Ruhe. Zum Glück ist Julia noch besser beisammen und hindert mich daran in einen vorbeifliegenden Flamingo zu beißen oder einem unschuldigen Felsen Unaussprechliches anzutun. Mit dem Fernglas finden wir dann recht weit südlich von uns am Strand tatsächlich irgendetwas, das eine große Anzahl Caravans sein könnte. Nur hat leider jemand mit kleinem Humor und einem großen Bagger mehrere beeindruckende Felsblöcke auf den Weg gelegt der genau dorthin führen müsste.

Langsam wird es ernstlich spät (noch nicht dunkel, aber die Schatten sind schon bedenklich lang) und wir entschließen uns, doch noch unser Glück zu versuchen. Im schlimmsten Fall müssen wir halt irgendwo hier einen wilden Platz suchen, was ich mir bei den vielen Kanälen und schwindendem Licht aber eher ersparen möchte.

Also die inzwischen sattsam bekannte Straße wieder retour und diesmal biegen wir eher zufällig richtig ab.

Es folgt eine Schotterpiste mit etwas Ähnlichem wie Schlaglöchern (nur viel tiefer und viel mehr davon) und als erfahrener 4x4 Fahrer weiß ich, was mein Fahrzeug mag und mache die Stoßdämpfer mit jedem persönlich bekannt - bis Julia mir erklärt, dass das Geheimnis im Umfahren, nicht Durchfahren liegt.

Bauduc Anfahrt
Straße? Wo?

Danach folgt das ganze als Erdstraße, dann mit Resten von Asphalt, kurzum – wir fahren 10km über jede Form von Boden die nicht als Straße zu erkennen ist, bis wir nach einem langen geraden Damm zwischen zwei Salinen tatsächlich nach Beauduc kommen. Die treffendste Beschreibung dieses Weges kommt aus einer Kitesurferzeitung: "Du machst die Strecke in 20 min mit einem Mietwagen aber brauchst 45 min mit deinem Eigenen ".

Beauduc selbst wirkt auf uns ein wenig wie eine illegale Party, die gerade ins dritte Jahr gegangen ist. Die Soundsysteme sind schon lange weitergezogen, aber die Gäste bleiben noch ein wenig.

An einer Art Anfangsplatz stehen ziemlich viele uralte Wohnwagen, Busse und dergleichen, die mit kaputten Zäunen zu mehreren Kommunen zusammengefasst sind. Von diesem Platz fährt man links über eine Brücke weiter in das eigentliche Dorf - erkennbar daran, das es hier auch vereinzelt Häuser aus Wellblech und Treibholz gibt. Der eine oder andere Windgenerator ragt pittoresk aus diesem Lager in den Dünen auf (Beauduc hat weder Strom noch fließendes Wasser) und das ganze macht einen wirklich autonomen Eindruck. Autonom nicht im politischen Sinn – das Lager ist soweit ich das erkennen kann gänzlich unpolitisch – vielleicht sogar irgendwie konservativ,  sie wollen nur in Frieden gelassen werden was ihnen soweit ich es verstanden habe, bislang auch teilweise gelungen ist.

Neben dem Dorf erstreckt sich auf einer Länge von vielleicht 3-4km der Strand auf dem überall Camper, Busse und Zeltlager aufgereiht stehen. Vor allem sind es Kitesurfer (untertags zähle ich über 50 von ihnen auf dem Wasser) und ein paar ältere Proficamper die sich hier tummeln. Zu beachten ist dass man sich alles selbst mitnehmen muss: Wasser, Essen und vor allem ein Chemieklo (die Einwohner mögen es gar nicht wenn man ihre Dünen düngt – nachdem in dem Klima die Dinge eher verdorren als verrotten kommt alles früher oder später wieder ans Licht).

Wir pflanzen unseren Bus an die nördliche Spitze der Landzunge gleich neben einen schmalen Fluss in dem Meerwasser (recht schnell) in die Salinen fließt. Hinter dem Fluss geht der Strand noch weiter und auch dort stehen noch einige Camper. Allerdings erschließt sich uns nicht wie die dorthin gekommen sind. Auf keinen Fall sind sie durch den Fluss gefahren - hinein führen von unserer Seite zwar einige Reifenspuren, aber ob der Tatsache dass er nach 1m flachen Sand plötzlich und gänzlich unmotiviert auf ca. 2m Tiefe ausgebaggert wurde, führen auf der anderen Seite keine mehr raus.

Schnell noch ein gutes Dosenfutter (in Frankreich ist gut und Dosenfutter kein zwingender Widerspruch) aufgewärmt und wir entschlummern selig.

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