Ille sur Tet - Port de Selva

Tagwache 6:15! – Griff zum Wecker – Tagwache 6:30!

Pünktlich um 7:00 verlassen wir den Platz um 20 vor 8 vor der Bank in Thuir zu stehen. Als selbige 5 nach 8 öffnet, stürmen wir sie wie weiland die Kreuzritter Jerusalem – um an einen Schalterbeamten zu geraten der kein Wort Englisch kann … ich wette Kreuzrittern ist das nie passiert! Netterweise findet sich ein älterer Beamter, von dem behauptet wird, er könne Englisch (eine Behauptung die wir partout nicht verifizieren konnten) und der begreiflich macht, dass meine Karte sicher im Bankomatsafe verwahrt liegt zu dem niemand den Schlüssel besitzt. Super!

Alles kein Problem – der Angestellte einer Sicherheitsfirma kommt regelmäßig vorbei und leert den Safe. Wann das passiert? Ja, das lässt sich nicht so genau sagen, aber wir sollen es doch heute um 15:00 noch mal probieren – sonst aber sicher morgen!

Unsere gesamte Barschaft beläuft sich inzwischen auf den Gegenwert eines Milchkaffee und so setzen wir uns auf eine Bank auf den Platz und beratschlagen wie vorzugehen.

Sehr weit wollen wir nicht mehr fahren – wer weiß, wozu wir unseren ½ Tank noch brauchen, also richten wir uns auf einen langen Tag in Thuir ein.

Als wir dann aber Richtung Auto spazieren, stürzt uns der fremdsprachige Bankangestellte entgegen – offenbar wurde der Tresor am Sonntag geleert und da hat er uns die Karte schnell nachgebracht. Ein bisschen Bauchweh bleibt zwar als ich sie wieder in den Bankomaten stecke, aber 2 min. später halten wir 400€ UND die Karte wieder in Händen – sieh mal einer an, mir ist vorhin gar nicht aufgefallen dass die Sonne scheint.

Jetzt haben wir Geld – wir wollen ans Meer!

Als gute reiseführergebildeten Besucher wissen wir natürlich um die touristengestürmten Sandstrände von Perpignan und fahren über Argeles gleich weiter nach Collioure – ein, wie uns der Reiseführer versichert, kleines Fischerdorf in dem schon Dali und Picasso, abseits der breiten Touristentrampelpfade, gemalt haben. Dort wollen wir uns einen netten kleinen Campingplatz suchen und ein wenig das Mittelmeer genießen.

Möge den Verfasser unseres Reiseführers der Blitz treffen – möglichst mehrfach!

Der Ort ist wirklich reizend, aber touristenfrei war er vermutlich das letzte Mal in den 70ern des vorletzten Jahrhunderts. Es gibt 3 Campingplätze von denen einer voll ist und der zweite voll & hässlich. Auf dem dritten ist Camping sowieso verboten (Nein kein Witz – es steht so dort und wir haben es stillschweigend zur Kenntnis genommen). Alles nicht so schlimm – es gibt ja noch Port-Vendres, Banyol s. Mer und Cerebere an der Küstenstraße – irgendwo wird sich schon noch ein Plätzchen für uns finden.

Die N114 entlang der Küste ist übrigens eine eigene Erfahrung – einerseits der atemberaubende Ausblick auf wunderschöne Buchten und das Mittelmeer unter uns, andererseits der atemberaubende Fahrstil von zu vielen Franzosen, Spaniern, Holländern und Deutschen um uns herum. Alle schön im Urlaubsstress und nahe am Hitzekoller. Sollte ich diese Strecke erneut fahren müssen dann nur mit einem Panzer der dem anderen Verkehrsteilnehmern den nötigen Respekt abverlangt.

Als einziges Highlight dieser Strecke bleibt mir eine kurze Rast am Cap Cerbere in Erinnerung – grandioser Ausblick und eine sehr steife Brise die angenehm erfrischt.

Da Frankreich hier offenbar nicht mehr viel zu bieten hat wechseln wir nach Spanien – für die Geldbörse ohnehin besser, und die Costa Brava mit ihren Touristenhorden beginnt ja auch erst etwas weiter im Süden.

Die spanischen Straßen sind wider Erwarten besser ausgebaut als die französischen, die Benutzer selbiger fahren aber genauso sonnen-, und hirnverbrannt wie auf der anderen Seite.

Wir halten an einem Eurospar knapp hinter der Grenze um schnell ein paar billige spanische Lebensmittel und eine Straßenkarte zu kaufen, aber die Auswahl ist verglichen mit Frankreich eher ernüchternd – dafür die Preise teilweise merklich höher (infolge ein einmaliger Ausreißer – im Rest von Spanien, vor allem abseits der Küste, liegen die Preise weit unter französischem Niveau).

Unsere Suche nach einem Platz am Wasser führt uns dann weiter nach Port Bou, welches ich vor 15 Jahren noch als verschlafenes kleines Nest gesehen habe – wenn man das Attribut „verschlafen“ durch „touristisch“ ersetzt und vielleicht noch „dreckig“ hinzufügt, ein durchaus noch immer treffender Eindruck. Nach Port Bou folgt Colera (den Witz erspar ich mir jetzt, der wäre zu leicht)und zu guter letzt El Port de Selva. Überall das gleiche Bild – Touristenmassen (vornehmlich Spanier und Franzosen) und ein recht ungebremster Bauboom. Vorsichtige Altstadtrevitalisierung wie in Frankreich ist der Spanier Ding offensichtlich nicht.

In Port de Selva bin ich dann endgültig am Ende – die mörderische Hitze und dauerndes konzentriertes Fahren fordern ihren Tribut. Wir halten kurz im Ort um wenigstens kurz die Füße ins Wasser zu halten.

Danach wird die Straße nicht nur wesentlich enger, sondern ist auch auf äußerst abenteuerliche Weise zugeparkt und nachdem wir an einem dead end landen weil ich die korrekte Abzweigung mit einer Seitengasse verwechsle ist es aus!

Bildunterschrift

Die Straße retour 1-2 km vor Port Selva war ein Campingplatz in einer Kurve – sah zwar nicht sehr schön und zu groß aus, dafür ist er aber wenigstens direkt am Meer.

Der Platz ist ziemlich schattenlos, teuer (22€), schief und man steht zu knapp am Nachbarn, aber ich kann keinen Meter mehr fahren und folglich buche ich eine Nacht. Das ist sicher nicht die Sorte Übernachtungsplatz von der wir geträumt hätten aber manchmal muss man sich einfach widrigen Gegebenheiten beugen. Wir tun also das einzig vernünftige in dieser Situation, packen ein paar Dinge ein und werfen uns ans Meer.

Netter Steinstrand, etwas langweilig zum Schnorcheln und es ist spannend ohne gebrochene Zehen ins Wasser zu kommen. Zudem bekomme ich an der rechten Schulter und am Rücken Lepra (kleine, weiße, mit Flüssigkeit gefüllte Blasen die leicht aufgehen) – scheinbar wird es Zeit, dass wir nach Lourdes fahren.

Abends beobachten wir noch interessiert das Balzverhalten der ansässigen Dauercamper und beschließen schlussendlich dass das Mittelmeer den ganzen Stress nicht wert ist. 1 Stunde setzen wir uns Nachts noch an den Strand um etwas Meeresluft und –rauschen zu inhalieren, aber morgen soll’s wieder in die kühlen und touristenfreien Berge gehen.

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