Serres - Prades

Rennes les Château

Da wir am Freitagmorgen wider erwarten noch unter den Lebenden weilen, fahren wir zurück nach Couiza von wo wir die etwas unauffällige Abzweigung nach Rennes Les Chateau nehmen. Nach der Abzweigung folgt passender Weise auch eine etwas unauffällige Straße (unauffällig in Bezug auf ihre Breite zur umgebenden Landschaft) die sich in engen Kurven einen steilen Berg hochwindet.

Oben angekommen finden wir rechts einen großen, schiefen nicht asphaltierten Parkplatz von dem aus wir zu Fuß den Ort erkunden. Wie sich zeigt, sperrt in Rennes les Chateau alles („alles“ bedeutet die Kirche, die Villa Bethane, ein Restaurant und 2 Esoterik-Buchläden) erst um 10.00 auf, aber dafür gibt es einen Parkplatz im Ort direkt neben der Villa der um diese Uhrzeit natürlich noch völlig leer ist. Also retour zum Auto und von dem leeren Parkplatz an den Straße (fast leer – neben unserem Auto stand noch ein Kleinwagen mit 3 äußerst suspekten Typen Marke Mittelalter-Esoterik-Schatzsucher-Huschi die offenbar dort genächtigt hatten) rauf in den Ort.

Bei erhöhtem Besucherandrang würde ich den oberen Parkplatz vielleicht nicht empfehlen, mit Bussen ist an ein Durchkommen ohnehin nicht zu denken, aber um diese Uhrzeit ist es der tollste Platz überhaupt. Ein grandioser Ausblick über das Hochplateau südlich des Dorfes… ich bin absolut sprachlos.

Knapp vor 10 treffen dann die ersten Touristen ein, es bleibt aber alles in sehr überschaubaren Bahnen. Übrigens ist die Lincoln, Baleigh, Leigh – Fraktion leicht von den Dan Brown Apologeten zu unterscheiden wenn sie sich in der Kirche lauernd aus den Augenwinkeln beobachten, ob nicht einer etwas entdeckt hat, dass dem anderen entgangen sein könnte.

Die Kirche selbst ist nicht eben als schön und im Besonderen nicht als geschmackvoll zu bezeichnen, aber irgendwie doch faszinierend. Eine kleine Sicherheitskamera beobachtet alles vom Beichtstuhl aus - vermutlich um sicherzustellen, dass keiner der Besucher plötzlich eine Hacke unter der Jacke hervorzieht und schreiend beginnt auf den Altar einzudreschen. Ein Gedanke, der einem beim Anblick einiger Besucher eigentlich nicht so unmöglich scheint.

Nach der Kirche investieren wir noch 5€ Eintritt um die danebenliegende Villa Bethane zu besuchen. Die Villa und das Häuschen des Abbe sind weniger beeindruckend, aber die „Tour Magdalene“ und der Rundbogen, der zu einem wunderschönen Glashäuschen mit Glasturm in dem eine Wendeltreppe hinunterführt dafür umso mehr – nachdem ich das 10. mal geäußert habe das Anwesen sofort käuflich erwerben zu wollen, tätschelt Julia mir nur mehr gottergeben den Kopf.

Was bleibt, ist der Eindruck eines wundervollen Ortes mit fantastischem Ausblick, neben dem ein betrügerischer Pfaffe und ein vielleicht großes Geheimnis verblassen. Ich kann jedem, der sich nicht für Abbe Sauniere interessiert oder nicht weiß, wer zur Hölle das sein soll, einen Besuch empfehlen. Alle anderen werden nicht mehr erfahren, als ohnehin in ihren Büchern zu finden ist. Auch wir sind wie millionen Touristen vor uns lustigerweise nicht über den Schatz des Abbe gestolpert, noch haben wir mit einem Blick auf seine Kirche ein Geheimnis gelöst an dem sich 10.000de Andere Jahre die Zähne ausgebissen haben.

Schlussendlich verlassen wir den beschaulichen Ort wieder Richtung Quillan und da ich eine Anfahrt auf die Burg von Queribus wegen der zu erwartenden Straßenenge verweigere, biegen wir noch mal auf unsere gestrige Route ab um wenigstens die Ruine  von Puivert zu sehen.

Puivert

Sie liegt recht eindrucksvoll auf einem Berggipfel (als ob Ruinen eindrucksvoll in Täler gedrückt wären) und wie sich herausstellt ist die Anfahrt einfach. Nur für die letzten 5 Kehren von der Hauptstraße weg wäre ein 1m breiter Wagen, der Steigungen von 20%+ mag anzuraten.

Der Vorhof (oder was davon übrig ist) ist wenig berauschend, aber bevor wir um die Sinnhaftigkeit unserer 5€ Eintritt bangen, betreten wir den noch intakten Burgfried der es wirklich wert ist. Vier Säle übereinander, die man über alte Wendeltreppen bzw. windig – wackelige Außentreppen erreichen kann. Sehr schön !

Über eine letzte Wendeltreppe erreicht man noch das Dach, von dem man einen grandiosen Blick 360 Grad in die Landschaft genießen kann. Julia muss auf den Außentreppen zwar einige ihrer privaten Dämonen bekämpfen, genießt den Ausblick dann aber auch sichtlich.

Gorges de St. George

Danach führt uns der Weg retour – zur Abwechslung mal über die D 117 Richtung Quillan, und ich will versuchen das Auto bei Axat ein Stückchen in die Gorges de St. George zu bewegen, um ein wenig Reminiszenz an die Fahrt entlang des Laggo Maggore aufkommen zu lassen. Die Straße ist ein wenig schmäler als ebendort, dafür hängen die Felsen hier auch wesentlich tiefer. Nach ca. 2 km, am ersten freien Platz, ist es dann genug der Reminiszenz (vermutlich würde mir besagte Straße am Laggo Maggore jetzt nur noch ein gequältes Lächeln entlocken).

Beim Rückweg kommt mir aber glücklicherweise ein vor uns fahrender Schulbus zu Hilfe, der die Straße äußerst gelungen frei räumt – so ein Ding will ich immer vor mir haben!

Gorges des Galamus

Zurück auf der D117 geht es weiter durch ein breites, von flachen Hängen gesäumtes Tal. Das Klima wird jetzt schon deutlich mediterraner, da wir und langsam dem Becken von Perpignan nähern. Bei St. Paul kann man auf eine etwas unauffällige Seitenstraße gelangen, welche einen zur Gorges des Galamus bringt. Nachdem wir im Reiseführer aber einige recht horrende Anekdoten (da war etwas über Caravanfahrer, die auf halber Strecke entdecken mussten, dass sie eine Kurve mit ihrem Gefährt unmöglich meistern können und dann im hupenden Folgeverkehr 2km zurückschieben mussten) gelesen haben, entscheiden wir uns auf einem Parkplatz vor der Schlucht zu halten. Von dort fährt ein Gratis-Shuttlebus alle paare Minuten bis zu einem weiteren (sehr überfüllten) Parkplatz, von dem aus man den Eingang zur Schlucht sehen kann. Inzwischen wurde zur Bezähmung größenwahnsinniger Touristenhorden offenbar ein Ampelsystem installiert, welches – zumindest auf dem engsten Teil der Straße- den Verkehr in eine Richtung sperrt. Vom Parkplatz führt auch ein kleiner Weg in die Schlucht zu einer alten, in den Felsen geklebten, Einsiedelei. Man kann sich aber schwer vorstellen, dass die Mönche hier noch viel Ruhe zur Kontemplation haben. Touristen vor der Tür und eine Verkehrslawine über dem Dach – wahrscheinlich suchen sie die Nähe zu Gott inzwischen durch den Andenkenverkauf zu finden….

Auf alle Fälle will ich da nicht durchfahren und nachdem uns der Bus zum ersten Parkplatz zurückgefahren hat, geht’s mit dem eigenen Auto zurück auf die D117.

Über Maury und Millas gelangen wir nach Ille sur Tete, wo wir uns eigentlich eine bekannte Felsformation welche als die Orgelpfeifen bekannt ist ansehen wollen, aber der zu entrichtende Eintritt ist streng genommen ein wenig happig für den Anblick einiger, wenn auch schöner, Steine. Also verzichten wir und bewegen uns auf der N166 weiter Richtung Vinca wo wir schlafen wollen. Laut Karte ein süßer Ort an den Ufern eines lang gestreckten Sees.

Leider hat Vinca ein paar kleine Schönheitsfehler: es ist a) nicht süß b) nicht am Ufer eines Sees (die N116 ist am Ufer eines Sees, Vinca ist am Ufer der N116), und der Campingplatz ist ziemlich schief, voll und sonnig – dafür aber anständig teuer. Also raus aus dem Ort und weiter nach Prades.

Vom Ort bekommen wir nicht mehr soviel mit, da wir wegen der vorgerückten Stunde direkt auf den nächsten Camping Municipal zuhalten. Der erweist sich als billig (9€), schattig und flach – nur leider auch heillos überfüllt. Glücklicherweise fragt der etwas schrullige Besitzer einen jungen leicht verkifft wirkenden Algerier, der einen Dauerplatz hat, ob es ihn stören würde selbigen mit uns zu teilen. Dem ist das offenbar komplett egal und so parken wir uns zu seinem Wohnwagen auf den durchaus sympathischen Platz.
Noch Glück gehabt – zwei Franzosen die kurz vor mir gefragt haben dürfen ihr Zelt  zwischen den Minigolfbahnen aufbauen – ohne den Spielbetrieb damit nennenswert zu beeinflussen.

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